fiene & die medientage münchen 2014

Die Medientage München finden bis Freitag statt – von der Eröffnung habe ich euch ein paar Notizen mitgebracht.

Timotheus Höttges (Telekom-Chef): Die Internet-Giganten versprechen ihren Nutzern paradiesische Zustände. Haben Sie mal versucht die gekauften Inhalte von einem System in das nächste zu ziehen? Das geht gar nicht, oder nur sehr schwer. Und das bei Firmen, wo sonst alles sehr einfach ist. Wie kann Europa etwas entgegen setzen? Standards und offene Plattformen sind die Antwort auf die Internet-Monopole, die bisher entstanden sind. Niemand wird etwas dageben haben, wenn zwischen Gamingdaten oder medizinischen Daten unterschieden wird. Auch soll es eine Bereitschaft geben, dafür unterschiedlich zu zahlen.

Horst Seehofer (Ministerpräsident): Ich bin nicht gegen Google. Ich nutze Google. Das ist alles ein Segen. Da müssen wir uns was einfallen lassen, um den etwas entgegen zu setzen. Wir können reden was wir wollen, es entscheiden die Leute was sie wollen. Die Leute wissen heute, wie sie sich helfen können. Wir können niemals eine Medienpolitik gegen den Willen der Menschen machen. Wir müssen uns anpassen, dafür sind wir da.

Klaas Heufer-Umlauf (Dings): Früher war es eine Wahl zwischen drei Kanälen. Heute ist es nicht mal mehr die Wahl aus 30 Kanälen.

Shahrzad Rafati (BroadbandTV): Um langfristig erfolgreich zu sein, muss man sich ständig kurzfristig neu erfinden. Es ist nicht schlimm, wenn etwas nicht funktioniert. Man muss sogar kurzfristig scheitern, um vorwärts zu kommen. Meine Mitarbeiter dürfen keine Angst haben einen Fehler zu machen. Sie dürfen ihn nur nicht zwei Mal machen.

Lutz Marmor (ARD Vorsitzender): Bei uns darf man auch Scheitern. Die Quizduell-Show hat nicht wirklich funktioniert. Die Sendung war dennoch ein Erfolg.

Christoph Krachten (Mediakraft): Mir tun die 45 Millionen Euro Gebührengelder für den ARD-ZDF-Jugendkanal leid. In den letzten Jahren haben sich die Nutzer selbst hingesetzt und eigene Angebote gestartet. Das hat man mal als User Generated Content bezeichnet. Die Realität hat Fakten geschaffen. Sender braucht das Internet nicht mehr – jeder kann Programm machen. Viele machen auch Programm, das keiner sehen will. Viele sind aber auch erfolgreich.

Nico Hofmann (UFA): Das Event im Fernsehen ist weiter der Aufschlag. Dafür produzieren wir. Aber wir müssen schauen, wie wir die Downloads messen, die On-Demand-Inhalte koordinieren. Das ist heute sehr komplex, da wir viele Module habe, die andere Anforderungen haben. Ein YouTube-Channel funktioniert heute ganz anders. Die Leute picken wir Trüffelschweine die Qualität aus den Programmen heraus. Wir sehen einen Mind-Reset bei deutschen Produzenten. Auf einmal kommt es auf Qualität an. Einmal durch die hochwertigen US-Serien, aber auch die Debatte in den Medien. Die riskanten aber an Qualität orientierte Entscheidungen führen in Deutschland meistens zu gutem Erfolg.

Christoph Schneider (Amazon Instant Video): Wir sehen ein komplementäres Verhältnis zwischen linearen Sendern und Streaming-Plattformen. Das ist derzeit keine Konkurrenz. Wenn eine Sendung durch das TV im Gespräch ist, verzeichnen wir auch steigene Zugriffe. Aber unser Erfolg ist nicht von hohen Abrufzahlen abhängig. Die Kunden sind Mitglied und da kommt es nicht auf die Intensität der Nutzung, sondern auf die Zufriedenheit an.

Wolfgang Link (ProSiebenSat.1): Wir dürfen nicht mehr isoliert auf Exklusitivität im Free-TV schauen. Wir müssen auch in den anderen Kanälen schauen, was drumherum passiert und wie wir das nutzen. Der große Bildschirm im Wohnzimmer wird aber auch in Zukunft weiterhin meistens Inhalte von den großen Sendern zeigen.

Gary Davey (Sky): Wir haben gezeigt, dass PayTV in Deutschland doch funktionieren kann. Die gute Nachricht für die gesamte Branche ist: Die neuen Anbieter haben bisher gezeigt, dass sie keine Konkurrenz für die alten Anbieter sind. Seitdem Netflix in Deutschland ist, gehören wir aufeinmal zu den alten Medien. Durch Partnerschaften versuchen wir hier hochwertige Produktionen in Deutschland zu realisieren.

Trivia:
– Wer etwas von sich hält, erwähnt “gerade aus dem Silicon Valley gekommen zu sein”.
– Der abwesende Protagonist in den Statetments der Panelisten in diesem Jahr: Netflix.

fiene & das digitale quartett #67 – wie wollen wir arbeiten?

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Die Freezing-Debatte hat in der vergangenen Woche für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Wir wollen das Thema noch weiter denken: Wie wollen wir eigentlich arbeiten? Es gibt Firmen die sich über alternative Arbeitsformen Gedanken machen. Das schauen wir uns ab 21 Uhr an mit:

fiene & die campusradios nrw haben jetzt eine app

campusradioapp

Ich reiche euch normalerweise keine Pressemitteilungen weiter, aber die hier lohnt sich. Sie kommt vom geschätzten Kollegen Johannes Meyer vom Campusradio in Siegen. Er hat die vergangenen Monate ein Mammutprojekt vorwärts getrieben: Eine eigene App für die Campusradios in NRW. Eine App, alle Sender aufs Ohr. Ein schönes nachträgliches Geschenk auch für Radio Q, meine alte Heimat. Das Campusradio aus Münster ist am Wochenende 15 Jahre alt geworden.

Release der NRWCampusRadioApp

“Radio to go“- Das Campusradio in der Hosentasche immer bei sich tragen, dass ist jetzt möglich. Jetzt gibt es die Campusradio in NRW auch als App. Mit der neuen kostenlosen NRWCampusRadioApp können die Campusradios aus NRW jetzt auch mit dem Smartphone unterwegs gehört werden. Es braucht nur zwei, drei Klicks, schon ist jeder Hörer beim Livestream seines Lieblings-Campusradios.Die App bietet ihren Nutzern nicht nur das aktuelle Programm der Campusradios, sondern auch zusätzliche Infos über die Sender und ihre Macher, sowie Verlinkungen zu den Sender-Homepages und Links zu den sozialen Netzwerken. Außerdem kann jeder Hörer Mit der App eine Merkliste mit seinen Lieblingssongs zusammenstellen, exportieren und verbreiten. „Gerade Studierende hören Radio immer mehr über das Smartphone, daher war es an der Zeit, dass es die Campusradios jetzt auch als App gibt“, sagt Johannes Meyer der Initiator des Projekts.Die App ist für die Betriebssysteme iOS sowie Android verfügbar und lässt sich kostenlos im Apple Store oder bei Google Play herunterladen. Neben der App wird zeitgleich auch die Homepage online gehen, auf der es ebenfalls Informationen zu den jeweiligen Campusradios in NRW gibt.Mit der App wollen die Campusradios ihre Hörer noch besser erreichen, somit ist die App eine Ergänzung der bisherigen terrestrischen Ausstrahlung über Antenne mit der die Sender schon jetzt rund 2,5 Millionen Haushalte in NRW erreichen.Die App, sowie die Homepage sind ein Gemeinschaftsprojekt der Campusradios in NRW unter dem Dach von CampusRadios NRW e.V. Koordiniert wurde das Projekt von Johannes Meyer vom Campusradio der Universität Siegen, Radius 92,1. Programmiert wurde die App von Simon Theiß und Hans Heidingsfeld (beide Informatik-Studierende, Universität Siegen).

Was sind die NRW-Campusradios?

Mit 13 Campusradios an verschiedenen Hochschulstandorten verfügt Nordrhein-Westfalen über eine lebendige und vielfältige Hochschulradio-Landschaft, die in der Bundesrepublik ihres gleichen sucht.Die Campusradios in NRW haben sich als ein wichtiges Informations- und Unterhaltungsmedium für die Studierenden und Hochschulangehörigen etablieren können. Mit innovativen Musikformaten fernab des „Mainstreams“ werden die Campusradios mit einem unverwechselbaren Profil in der Radiolandschaft und bei ihrer Zielgruppe wahrgenommen. In der Regel strahlen die Campusradios ein drei bis zehnstündiges „Live-Moderiertes“ Programm aus. Neben einer Schwerpunkt-Magazinsendung am Morgen werden zudem vorproduzierte Spezialsendungen (Talk-Sendungen, Musiksendungen, Sondersendungen z.B. zu den Studierendenparlamentswahlen etc.) ausgestrahlt.

Die App für das iPhoneDie App für Androiddie Homepage.

fiene & der neue düsselcast

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Ich möchte euch ein neues Projekt servieren. Vor zehn Jahren ging es mit dieser Podcasterei los. Es gab viele spannende Entwicklungen der eigenen Projekte und auch in der Podcast-Szene. Ich freue mich sehr, dass in letzter Zeit viele Netzdenker das Podcasten für sich entdecken. Sie konsumieren, aber produzieren auch. Für mich persönlich gab es in den letzten zwei, drei Jahren ein Manko: Mir fehlte ein persönlicher, klassischer Podcast. Ohne Radioanschluss. Nichts mit Medien oder Internet. Etwas für die Stadt.

Vor einigen Wochen hat Philipp Wartenberg mir von einer Idee erzählt: Er möchte einen Podcast über die spannenden Leute unserer Stadt machen. Sich hinsetzen und deren Geschichte erzählen. Ich war sofort Feuer und Flamme – wir haben unsere Ideen zusammengeschmissen, programmiert, organisiert und Leute getroffen. Darf ich vorstellen? Hier ist die erste Ausgabe von unserem Düsselcast! Alle vier Woche möchten wir einen Düsseldorfer vorstellen, der etwas spannendes auf die Beine gestellt hat. Unsere Liste ist lang. Die reicht erst einmal für zwei Jahre. Aber euer Input ist natürlich auch gefragt!

Lust etwas auf die Ohren zu bekommen?

 

 

fiene & 15 jahre radio q

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Heute ist einer dieser Tage, an denen es sich lohnt mal wieder bei Radio Q reinzuhören, bei meinem alten Campusradio. Das wird heute 15!

Für 15 Stunden wird heute Programm gemacht – jedes Jahr bekommt eine Stunde. Die Leute des Jahres sind vor den Mikros und spielen die Musik, die Inhalte und erzählen die Geschichten. Wenn ich gerade in meinen Timelines sehe, wer alles hinfährt um auch abseits des Studios dieses wunderbare Jubiläum zu feiern, bin ich traurig nicht auch zum Aasee in Münster fahren zu können, um mal wieder den besten Keller der Stadt zu besuchen (aber erst funke ich bei DRadioWissen und dann ist auch noch das Barcamp Düsseldorf von meinem Arbeitgeber).

Hier sind meine 15 Jubiläumsgedanken zu Radio Q

  1. Schaltet (nicht nur heute) den Webstream ein
  2. Wie wir ein U-Boot im Aasee versenkten und dabei Digital ist besser sangen — vor fünf Jahren habe ich mich mal erinnert, wie wir das tollste Projekte aus meiner Q-Zeit umgesetzt haben: Das digitale Studio! Das war ein Mammutprojekt für uns damals – aber nach vielen Diskussionen und der Hilfe vieler engagierter Kollegen die beherzt mit angepackt haben, gelang das Projekt. Das war eins unserer größten Erfolge.
  3. Hat der Vorstandsraum eigentlich einen neuen Teppich bekommen?
  4. Genau vor 10 Jahren haben Herr Pähler und ich “Was mit Medien” gegründet. Seit dem funken wir regelmäßig unser kleines Medienmagazin. Das wir immer noch funken ist irgendwie unglaublich. Jeden Donnerstag (wie vor 10 Jahren) stellt sich kurz vor Start der Sendung ein kleines Glücksgefühl ein. Wie toll.
  5. Bei Radio Q habe ich Feedbackkultur gelernt. Mittlerweile kenne ich viele andere Redaktionen – dort ist das Thema meist ein heißes Eisen, ein eingerostetes Werkzeug. Oft sind es Campusradioleute, die für Wandel sorgen. Doch dafür braucht es einen langen Atem.
  6. Danke an Katharina und Manuela  & Co. für eine tolle Zeit in der Chefredaktion.
  7. Das Gefühl nur mal eben kurz im Sender vorbei schauen zu wollen, und dann doch den ganzen Tag dort abgehangen zu haben.
  8. Die besagte Sendung als Frau Krause als CvD mitten in einem Telefoninterview in der Redaktion “Fieeeeeneeeee” rief (wir können aber auch noch mal über ihre Papst-Sendung reden).
  9. In der Zeit habe ich viel über die “Broken Window”-Theorie gelernt.
  10. “Hallo und heiteres Geplänkel”.
  11. Am 9. November 2002 habe ich über meinen ersten Kontakt mit Radio Q gebloggt. Der Moderator im Studio war übrigens Jörg und an den ersten Kontakt mit Tim erinnere ich mich auch noch gut. Er war so groß und ich hatte etwas Angst.
  12. Hier ein Artikel von der Uni zum 6. Jubiläum des Senders.
  13. Die Campusradioworkshops der LfM sind vor allem auch im Rückblick unglaublich wichtig gewesen: Was wir dort gelernt und wen wir dort getroffen hat einen großen Einfluss auf das gemacht, was wir heute arbeiten.
  14. Es ist unglaublich toll zu sehen, wie alle Q-Kollegen in den Medien untergekommen sind. Wenn ich heute Bewerbungen sichte, schaue ich immer auch auf die Campusradiozeit. Bewerber die sich länger als ein Semester engagiert haben (oder gerne auch länger als zwei), sind so gut wie genommen. Das will echt was heißen.
  15. Radio Q. Wir sind der Campus!

Radio Q, feiere heute schön!

fiene & das digitale quartett #66 – die deutsche google-angst

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Die Tage werden länger,  im Fernsehen starten die neuen Staffeln unserer Lieblingsserien und auch das Digitale Quartett bietet wieder was für Auge und Ohr. Willkommen nach der langen Sommerpause, ihr Luddisten – wie wir Deutschen jetzt bei den Amerikanern bekannt sind.

Der Begriff Luddismus (oft deckungsgleich mit „Maschinensturm“ verwendet) bezeichnet eine der großen Wellen des Kampfes englischer Arbeiter Anfang des 19. Jahrhunderts gegen Statusverlust und drohende soziale Verelendung durch die einsetzende Industrialisierung.

(Quelle: Wikipedia)

Im SundayReview der New York Times ist am Wochenende erklärt werden, “Why Germans Are Afraid of Google“. Tatsächlich, das Verhältnis zwischen Google und Deutschland könnte besser sein (siehe gestern). Und es könnte auch nicht weniger widersprüchlich sein (dazu hatte ich vor ein paar Tagen auch etwas bei RP Online geschrieben).

Aber eigentlich sagt auch dieses Titelbild von heute alles:

Wir müssen reden: Über die deutsche Google Angst. Heute um 21 Uhr gibt es deswegen das Digitale Quartett Nr. 66 mit Thomas Knüwer, Ulrike Langer, Richard Gutjahr, Franziska Bluhm und mir.

Unsere Gäste:

Ab Seit 21 Uhr findet ihr an dieser Stelle den YouTube-Player. Unter dem Hashtag #quartett könnt ihr gerne mit diskutieren.

Eure Kommentare: 

 

fiene & who is my next enemy?

Eine kleine Randnotiz zur Anti-Google-Stimmung, die immer mal wieder in der deutschen Öffentlichkeit aufflackert. Warum eigentlich Google? Grundsätzlich bin ich der Meinung, das erfolgreicher Fortschritt nicht durch das Behindern von neuen Playern erzielt wird.

Die Anti-Google-Stimmung überzeugt mich deswegen so wenig, weil sie den Markt nicht wiedergibt. Haben die Google-Kritiker schon mal angeschaut, was Amazon macht? Das ist nicht mehr der kleine Online-Buchhändler. Schauen wir einfach mal alleine auf den Bereich Cloud-Computing: Amazons Servernetzwerk soll inzwischen weltweit die Nummer zwei sein. Direkt nach Google. Die unterschiedlichen Bausteine der Amazon-Produktwelt setzen sich immer besser zusammen und nicht wenige sagen: Hier entsteht etwas großes.

Während einige Politiker und Medien sich auf Google versteifen, macht es Sascha Lobo richtig. Lustigerweise setzt er Amazon etwas entgegen, indem er so etwas wie einen Verlag gegründet hat. Seit Freitag ist SoBooks.de für alle verfügbar. Eine Mischung aus gemeinsamen Lesezirkel, sozialen Netzwerk und Buchshop; alles im Webbrowser und in schön.

Dem Hessischen Rundfunk sagte er zum Start von SoBooks.de:

“Dies ist eine Kampfansage. Eine explizite Kampfansage tatsächlich an Amazon.”

Eine hörenswerte Einführung zu SoBooks gibt es von der Kollegin Nora Hespers bei DRadioWissen.

Natürlich klappert Lobo mit dieser Ansage ordentlich. Aber er wählt sich den richtigen Gegner aus. Er will ihn nicht auf der politischen Ebene stören, sondern setzt ihm etwas anderes entgegen: Ein besseres Angebot.

fiene & hafen im glück

Ich nehme euch mal eben mit auf eine kleine Tour durch meine Nachbarschaft. Wenn ihr zur Zeit durch den Medienhafen lauft, könntet ihr den Eindruck bekommen, “Tapete hinter Glas” sei ein neuer Dekotrend der in irgendeiner hippen Stadtlust-Zeitschrift ausgerufen wurde: Im Medienhafen wird derzeit das Laden-Wechsel-Dich-Spiel auf ein neues Level gehoben. Nach dem Nespresso und Starbucks den Hafen verlassen haben, der Essener Starbucks-Nachfolger Miamamia mit seinem komischen Service-Konzept und der Apple-Händler re:store auch kein Glück hatten, hat jetzt zuletzt auch das Breuers geschlossen (ja, ein Füchschen-Ausschank weniger). Aber was kommt? Schauen wir mal, was uns hinter den “Tapeten hinter Glas” erwartet.

Burger für Hafen-Bürger

Ende September (ob die das noch schaffen?) sollte Bob & Mary öffnen. Eine Burger-Schmiede, die auch auf Salat setzen wird. Endlich bekommt der Hafen auch etwas von den trendigen Burgerschmieden ab. Düsseldorf ist mit diesem Trend sowieso etwas spät dran. Schon vor der Eröffnung hat der Laden mehr als 2.200 Likes. Ob der Laden ein Erfolg wird? Ich bin etwas skeptisch.

Hier ein Eindruck der Ladenbesitzer von Innen:

Hans statt Fuchs

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Das ist eine kleine Überraschung: Im Breuers wird Hans im Glück öffnen. Endlich auch in Düsseldorf. Selbst Münster hat schon einen Hans im Glück. Das sind diese Burgerlädern mit Birkenstämmen. Gäste sehen in der Regel den Burger vor lauter Birken nicht – man fühlt sich aber unheimlich gesund, wohl und hip. Bob & Mary muss sich einiges einfallen lassen, um gegen das erprobte Konzept erfolgreich zu sein.

Wein ist der neue Kaffee

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Eine Ewigkeit steht der Nespresso-Laden schon leer. Noch immer sollen angeblich samstags die Golfer aus Büderich, mit ihrem Pulli um den Schultern geworfen, vorfahren um dann festzustellen, dass der Laden schon lange auf der Kö ist. Jetzt kommt hier eine Weinbar hin. Aber was ist davon zu halten, wenn auf der Eröffnungsseite schon “ambitioniertes Ladenkonzept” steht? Davon hat der durstige Kunde eher wenig.

Tapas statt Bohnen

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Im Ex-Starbucks-Ex-Miamamia-*Geschäft eröffnet demnächst (vermutlich) eine Tapasbar. Die Kombination aus Tapas- und Weinbar ist spannend. Ob die Nicht-Ketten sich aber halten können?

Zur Not “was mit Immobilien”

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Und dann haben wir noch einen neuen Immobilien-Laden, der den Eindruck eines Platzhalters vermittelt. Wenn es schon zwei Burgerläden gibt, bräuchten wir doch eigentlich auch einen Frozen Yoghurt Laden. Dann würde der Medienhafen wieder alle hippen Klisches bedienen.

 

fiene & facebook-charts der nrw-radiosender, september 2014

facebook

Es ist Zeit für eine neue Ausgabe der Facebook-Charts.

Das FAZ-Feuilleton hat das Internet entdeckt und wundert sich, warum ein Radiosender aus dem Libanon 2 Millionen Fans auf Facebook hat, obwohl das Land nur 4 Millionen Einwohner hat. Lesenswert ist dieser Beitrag, weil wir sehen, was passiert, wenn Radiosender mit Katzenbildern und lustigen Videos die Reichweite steigern. Am Ende hat das Kernmedium (und so mit das funktionierende Geschäftsmodell) hiervon reichlich wenig. Allerdings hinterlässt der letzte Absatz dieser Abhandlung einen faden Beigeschmack, weswegen ich als Gegenpol die Lektüre von “How You Should Be Thinking About BuzzFeed” empfehle.

Von 2 Millionen Fans sind die Radiosender aus NRW auf Facebook weit entfernt. Obwohl es jetzt zum ersten Mal einen Sender gibt, der mehr Fans auf Facebook hat, als Hörer in der durchschnittlichen Stunde.

Die Facebook-Charts der NRW-Radiosender habe ich zuletzt vor 1 1/2 Jahren im März 2013 veröffentlicht (die vorigen Ausgaben: Oktober 2012 für allfacebook.deApril 2012Dezember 2011). Alle paar Monate veröffentliche ich eine neue Ausgabe, um zu sehen, welche Rolle Social-Radio im Wechselspiel zwischen Radiosendern und ihren Hörern tatsächlich spielt.

Insgesamt mache ich mir allerdings aus zwei Gründen Sorgen. Radiosender gehen -wie die Kollegen im Libanon- mit lustigen Klick-Mich-Bildern auf “Gefällt-mir”-Jagd und bauen sich dabei die falsche Followerschaft auf. Außerdem verschlafen viele Redaktionen, das Facebook den Mechanismus zum Verbreiten von Inhalten so verfeinert hat, dass wir unser Postingverhalten anpassen müssen. Alte Regeln wie “poste nie mehr als drei Mal am Tag um deine Follower nicht zu nerven” gelten nicht mehr.

Liebe Redaktionen, vergesst nicht, dass ihr mit euren Facebook-Postings auch die Image-Werte von euren Sendern beeinflusst. Wer ständig morgens vom Frühteam ein Foto postet, die mit einer großen Tasse Kaffee ins Wochenende flüchten wollen, welchen Eindruck macht dies wohl auf die Hörer? Sie geben ihn garantiert wieder, wenn sie das nächste Mal für eine qualitative Analyse angerufen werden.

Aktuell haben die Senderseiten bei Facebook zusammen 1.155.900 Fans. Vor 1 1/2 Jahren waren es noch 709.688 Fans. Anfang Oktober 2012 haben die Senderseiten bei Facebook insgesamt 628,068 Fans. Im April waren es noch 486,635 Fans. Zum ersten mal ist die Millionen-Marke gefallen.

Auf Platz 1 bleibt 1Live. Die junge WDR-Welle hat die Zahl der neuen Fans nicht mehr so deutlich steigern können. Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk haben wieder ein leichtes Wachstum gehabt. Bestes Lokalradio ist Radio Duisburg (Platz 4) und bestes Campusradio bleibt Kölncampus – inzwischen aber nur noch auf Platz 48. Sogar das Domradio ist erfolgreicher als jedes Campusradio in NRW (Von Platz 38 auf Platz 25 vorgearbeitet).

Die NRW-Lokalradios sind weiterhin das deutlich stärkere Netzwerk, gegenüber dem WDR-Netzwerk. Viele Lokalradios sind ordentlich gewachsen, was in Summe zu einem deutlich höheren Wachstum in diesem Netzwerk gesorgt hat.

Wichtiger als die absoluten Zahlen sind meiner Meinung nach aber die Facebook-Quotienten, da die Sender eine unterschiedliche Reichweite bringen. Vergleichen wir die Fan-Zahlen mit den Hörern in der durchschnittlichen Stunde, sehen wir, dass der Sieger sich auf Facebook unterdurchschnittlich schlägt: 1LIVE erreicht 35% seiner Hörer auf Facebook. Der Durchschnitts-Sender in NRW schafft mittlerweile 44%. Weiterhin dominieren die Lokalradios die Facebook-Quotient-Hitliste. Woran das liegt? Die Konkurrenz, die die inhaltliche Ausrichtung eines Senders bestimmt, liegt nicht mehr links und rechts im Frequenzband, sondern oben und unten, links uns rechts auf den Bildschirmen, auf denen wir unser Präsentieren (inkl. unsere Radiohör-Apps). Meine These habe ich in der vergangenen Ausgabe genauer erklärt.

Wer viel schreibt, ist übrigens nicht zwangsläufig erfolgreicher. Im Schnitt haben die Sender 3 Postings pro Werktag veröffentlicht (gleichbleibend ) Die erfolgreichsten Sender (nach Wachstum und absoluten Fanzahlen) haben jeweils im Schnitt allerdings 7 Postings veröffentlicht (gleichbleibend).

Wie immer gilt: Aufgenommen werden alle Sender die bei Facebook eine eigene Sender-Seite haben und in NRW per UKW senden. Sollte ich einen der Sender übersehen haben, dann bitte ich um einen Hinweis in den Kommentaren oder per E-Mail!

Die Zahlen stammen von Ende August.

Die aktuellen Charts!

(Sender / Facebook-Fans Aktuell / Unterschied zum April)

  1. 1LIVE 385,980 (+140,414)
  2. Deutschlandfunk 73,633 (+20,342)
  3. Deutschlandradio Kultur 73,363 (+19,047)
  4. Radio Duisburg 35,372 (+18,107)
  5. Funkhaus Europa 32,272 (+13,373)
  6. WDR 2 30,999 (+13,832)
  7. Radio Essen 25,967 (+16,304)
  8. Radio Wuppertal 24,285 (+7,684)
  9. Radio Bonn/Rhein Sieg 23,743 (+12,851)
  10. Antenne Düsseldorf 23,717 (+5,992)
  11. Radio Emscher-Lippe 19,287 (+9,808)
  12. Radio Oberhausen 18,672 (+10,100)
  13. Radio RSG 17,713 (+6,327)
  14. Radio 90,1 17,363 (+11,150)
  15. Radio MK 15,601 (+7,039)
  16. Antenne Unna 14,428 (+4,677)
  17. Radio 91.2 (Dortmund) 14,288 (+5,441)
  18. Radio K.W. 13,720 (+4,904)
  19. Radio Vest 12,276 (+4,432)
  20. Radio Westfalica 12,207 (+6,900)
  21. Antenne AC 12,201 (+5,812)
  22. WDR 5 11,692 (+3,760)
  23. Radio Köln 11,616 (+5,322)
  24. Antenne Münster 11,455 (+4,850)
  25. Domradio 11,088 (+6,826)
  26. Hellweg Radio 11,008 (+3,387)
  27. Radio Siegen 10,796 (+2,769)
  28. Radio Bielefeld 10,655 (+3,615)
  29. Radio RST 10,492 (+4,645)
  30. Welle Niederrhein 10,376 (+2,854)
  31. Radio Bochum 8,290 (+4,319)
  32. Radio Hochstift 8,214 (+3,091)
  33. NE-WS 89,4 8,130 (+3,139)
  34. Radio Lippe Welle Hamm 8,086 (+2,372)
  35. Radio Erft 7,982 (+3,012)
  36. Radio Hagen 7,736 (+2,233)
  37. Radio Gütersloh 7,526 (+3,458)
  38. Antenne Niederrhein 7,403 (+2,419)
  39. Radio Neandertal 7,256 (+1474)
  40. Radio WAF 7,003 (+3,570)
  41. Radio Kiepenkerl 6,824 (+2,269)
  42. Radio Sauerland 6,691 (+2,677)
  43. Radio WMW 6,618 (+2,951)
  44. Radio Lippe 6,167 (+2,285)
  45. Radio Mülheim 4,617 (+2,479)
  46. Radio Herford 4,588 (+2,143)
  47. Radio Ennepe Ruhr 4,143 (+1,743)
  48. Kölncampus 4,013 (+867)
  49. Radio Berg 4,011 (+1,253)
  50. Radio Herne 4,003 (+2,636)
  51. Radio Leverkusen 3,613 (+1,381)
  52. Radio Euskirchen 2,916 (+1,733)
  53. WDR 4 (Facebook: WDR4? – inaktiv) 2,734
  54. Radio rur 2,555 (+1,295)
  55. WDR 3 (+2,538)
  56. Radio Q 2422 (+625)
  57. Hochschulradio Düsseldorf 2,027 (+187)
  58. Hertz 87,9 – Campusradio für Bielefeld 1,994 (+634)
  59. CT Das Radio 1,827 (+482)
  60. Hochschulradio Aachen 1,636 (+534)
  61. eldoradio* 1,615 (+526)
  62. L’UniCo Campusradio Paderborn 1,266 (+477)
  63. CampusFM (Campusradio Duisburg – Essen) – Fb nicht auffindbar 1,052 (+566)
  64. bonncampus 96,8 => heißt jetzt bonn.fm 760 -(+167)
  65. Radius 92,1 (Campusradio Siegen) 744 (+359)
  66. Radio Triquency 635 (+132)
  67. Radio 96 ACHT Bonn – gibt’s nicht mehr
  68. Antenne Witten

Die Sender mit den meisten neuen Facebook-Freunden

  1. 1LIVE +140,414
  2. Deutschlandfunk +20,342
  3. Deutschlandradio Kultur +19,047
  4. Radio Duisburg +18,107
  5. Radio Essen +16,304
  6. WDR 2 +13,832
  7. Funkhaus Europa +13,373
  8. Radio Bonn/Rhein Sieg +12,851
  9. Radio 90,1 +11,150 (neu in dieser Top 10)
  10. Radio Oberhausen +10,100

(Nicht mehr dabei: Radio Emscher-Lippe )

Der Facebook-Quotient

Auch in dieser Ausgabe habe ich wieder den Facebook-Quotienten ausgerechnet. Die Fragestellung: Wie viele Facebook-Fans hat ein Sender pro Hörer in der durchschnittlichen Stunde? Hier ist das Ergebnis:

  1. Radio Duisburg 168.44%
  2. Radio RSG 88.57%
  3. Radio 90,1 86.82%
  4. Radio Oberhausen 84.87%
  5. Radio Wuppertal 78.34%
  6. Antenne Düsseldorf 74.12%
  7. Radio Emscher-Lippe 68.88%
  8. Antenne Münster 67.38%
  9. Radio Essen 64.92%
  10. Antenne AC 64.22%

Im Schnitt haben alle NRW-Sender 44 Prozent ihrer Hörer in der durchschnittlichen Stunde als Facebook-Freunde gewinnen können. Vor 18 Monaten waren das noch 26 Prozent.

Die aktivsten Sender

Ich habe auch geschaut, wie aktiv die Sender sind und habe gezählt, wie viele Postings es in der vorletzten Februar-Woche gegeben hat. Im Schnitt haben die Sender 15 (Vor 1 1/2 Jahren: 17 Postings) veröffentlicht. Hier sind die Top 10:

  1. Deutschlandfunk 103
  2. Deutschlandradio Kultur 45
  3. WDR 2 41
  4. Antenne Düsseldorf 35
  5. WDR 5 34
  6. 1LIVE 31
  7. WDR 3 28
  8. Radio Herne 28
  9. Radio Duisburg 27
  10. Radio Emscher-Lippe 27

Noch zwei Funfacts: Die Sender mit dem größten Zuwachs haben im Schnitt 30 Postings geschrieben (vor 1 1/2 Jahren waren es noch 35). Die Sender mit den meisten Freunden haben auch im Schnitt 34 Postings geschrieben.

Reden wir mal über die Inhalte

Dieses Mal habe ich auch geschaut, welche Art von Postings abgesetzt werden. Wie oft gibt es einen lokalen Bezug? Wie oft ist es ein Nachrichtenthema? Wie oft ist es ein Unterhaltungsposting?

Lokal

  1. Antenne Niederrhein 56.52%
  2. Antenne Düsseldorf 45.71%
  3. Radio Duisburg 44.44%
  4. Antenne AC 33.33%
  5. Radio Herne 32.14%

Nachrichten

  1. Deutschlandfunk 86.41%
  2. WDR 5 55.88%
  3. WDR 2 53.66%
  4. Radio Duisburg 51.85%
  5. Deutschlandradio Kultur 51.11%
  6. Antenne Düsseldorf 45.71%

Unterhaltung

  1. 1LIVE 77.42%
  2. Deutschlandradio Kultur 64.44%
  3. Radio MK 60.00%
  4. Radio Herne 53.57%
  5. Radio Bochum 48.15%

Die Netzwerke

Ich habe die Senderzahlen wieder einmal gebündelt, um zu sehen, wie stark die einzelnen Radio-Netzwerke hier in NRW sind. Es führt ganz knapp der öffentlich-rechtliche Rundfunk in NRW:

  1. NRW-Lokalradios 511,958 (308,255)
  2. WDR 466,215 (289,564)
  3. Deutschlandfunk 146,996 (107,607)
  4. Campusradios 17,576 (15,912)

Vielen Dank an Sarah für die Mithilfe!

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fiene & facebooks kampf gegen heftig-schlagzeilen (und wieso wieder inhalt zählt)

Hefti.co, Huffington Post, Buzzfeed und auch so manche deutsche Medienseite — ihr müsst euch warm anziehen und eure Facebook-Guidelines anpassen oder gar an eure Geschäftsmodelle ran, es zählen jetzt wieder Inhalte in diesem Internet …

… für Nutzer ist es aber eine gute Nachricht: Facebook killt Click-Baiting-Überschriften!

In den kommenden Wochen und Monaten treten zwei Änderungen in Kraft, die die Art und Weise verändern, wie Inhalte-Anbieter ihren Content bei Facebook posten, um Erfolg zu haben. Das hat Facebook jetzt in seinem Pressebereich aufgeschrieben.

Änderung 1: Der Kampf gegen Click-Baiting!

Ihr kennt sie alle, werdet sie aber künftig weniger in eurem Facebook-Feed sehen, weil das Netzwerk Links wie im folgenden Beispiel nicht mehr verbreiten möchte:

Screenshot 2014-08-25 20.30.02

Nicht nur werden künftig Satire-Meldungen gekennzeichnet, auch Postings im Heftig-Style werden gefiltert: Wenn der Nutzer den Inhalt der Geschichte erst versteht, wenn er auf den Link geklickt hat, dann will Facebook das Posting weniger ausspielen (oder gar ganz filtern).

  • Wie setzt Facebook diese Änderung um? Zwei Messgrößen spielen eine Rolle: Facebook misst die Verweildauer der Leser auf der Seite. Wenn die Leser nur kurz klicken und dann direkt zurückkehren, spricht die kurze Verweildauer für eine Enttäuschung über den Inhalt. Also filtert Facebook! Außerdem spielt die Click- und Interaktions-Ratio eine wichtige Rolle. Wenn überdurchschnittlich viele Nutzer klicken, aber nicht liken oder kommentieren, dann ist das für Facebook auch ein Zeichen für Click-Baiting. Ich gehe davon aus, dass Facebook weitere Messgrößen einfließen lässt.
  • Was heißt das für uns Inhalte-Anbieter? Facebook selbst gibt an, dass nur eine kleine Gruppe von Anbietern von dieser Änderung im größeren Maße betroffen sein wird. Mein Tipp: Wer aber hin und wieder ein Rätsel-Teaser verfasst, sollte dennoch genau auf die Reichweite achten. Wenn diese Postings überdurchschnittlich wenig an die Nutzer durchgestellt werden, würde ich auf die Rätsel-Teaser direkt verzichten. Das kann dem Gesamterfolg der Seite langfristig schaden.
  • Was ist von dieser Änderung zu halten? Facebook begründet den Schritt mit dem Ergebnis einer Umfrage: 80% bevorzugen demnach Überschriften, “die ihnen bei der Entscheidung helfen, ob sie einen ganzen Artikel lesen wollen, bevor sie klicken”.  Seien wir aber ehrlich: Facebook dürfte diese Änderung nicht aus Liebe zum Nutzer durchführen. Jede Änderung wird erst bei einem Teil der Nutzer getestet. Dabei wird das Verhalten  genau analysiert. Augenscheinlich muss Facebook bei diesen Tests zu dem Ergebnis gekommen sein, dass sich Facebook-Nutzer ohne Click-Baiting-Headlines  wohler fühlen: Sie verbringen längere Zeit auf Facebook, oder schauen häufiger vorbei. Vermutlich weil sie die letzte Klick-Enttäuschung nicht davon abhält. Interessant: Facebook sieht Handlungsbedarf und muss lernen, was Click-Baiting-Inhalte sind, wohingegen die Nutzer es nicht gelernt haben, diese Rätsel-Teaser zu meiden. Sonst würden diese Inhalte die Facebook-Mechanismen nicht so erfolgreich ausnutzen.

Änderung 2: Klassische Links werden wertvoller als Foto-Links

Alle Welt redet jetzt bestimmt über das mögliche Aus vom Prinzip “Heftig.co” – wesentlich spannender finde ich aber die zweite Änderung: Es gibt zwei Arten, um Links auf Webseiten zu posten. Ich kann entweder ganz klassisch einen Link posten, indem ich zunächst eine URL in das Textfeld kopiere und dann eine Vorschau erhalte. Ich kann aber auch ein Foto hochladen und dann nachträglich einen Link in der Beschreibung ergänzen. Künftig will Facebook die erste Variante deutlich bevorzugen.

  • Wie setzt Facebook diese Änderung um? Ordentliche Link-Postings sollen künftig deutlich bevorzugt werden. Entdeckt Facebook einen Link in einem Beschreibungstext zu einem Video oder einem Foto, wird dieser Inhalt nicht mehr bevorzugt ausgespielt.
  • Was heißt das für uns Inhalte-Anbieter? In Seminaren haben wir bisher gelernt, dass besonders Fotos und Videos bei Facebook erfolgreich sind. Da Links bisher immer weniger Beachtung fanden, haben viele Inhalte-Anbieter Fotos gepostet und darin einen Link untergebracht, um so für eine größere Verbreitung zu sorgen. Das ist künftig nicht mehr nötig. In der Zwischenzeit hat Facebook den Stil der Links durch die schönen Vorschauen deutlich verbessert. Wenn jetzt auch normale Links besser ausgespielt werden als die anderen Foto- oder Video-Postings mit einem Link in der Beschreibung, ist dieser alte Trick nicht mehr nötig.
  • Was ist von dieser Änderung zu halten? Mich freut diese Änderung aus zwei Gründen. Einmal erkennt Facebook den Wert von Links an und zwingt mich als Inhalte-Anbieter nicht, alles bei Facebook zu posten. Das Netzwerk dürfte erkannt haben, dass die Leute auch so zurückkommen, wenn sie dort spannende Inhalte finden – sie müssen dazu nicht gefangen gehalten werden. Dann gibt es noch einen rechtlichen Vorteil: In vielen Fällen habe ich die Rechte an einem Foto für meine Domain. Ich kann oft nicht das Foto extra bei Facebook hochladen, um den Artikel zu bewerben. Ein Graubereich. Mit der Vorschau linkt Facebook auf das Foto auf meiner Domain – ich kopiere es nicht rüber. Aus Sicht der Inhalte-Anbieter ist das sauberer.

Mich freuen diese Änderungen. Facebook schätzt stärker gute Inhalte und gönnt uns Inhalte-Produzenten die Klicks auf unsere Angebote. Ein gutes Zeichen. 

 

fiene & die angst vor wissen außerhalb der eigenen blase

In Twitterland gibt es gerade Aufregung. Twitter zeigt seinen Nutzern künftig Tweets von Leuten an, denen nicht gefolgt wird. Hierzu sind verschiedene Artikel rumgereicht worden, wie dieser bei TheAtlantic.com.

Die Reaktionen vieler Twitter-Nutzer verstehe ich nicht. Ich halte sie für kurzsichtig. Vor lauter Emotionalität schreiben einige Ankündigungen wie diese:

Womit dann die abgestraft werden, die nichts dafür können.

Liebe Netzgemeinde, denkt doch mal nach.

In der bisherigen englischen Fassung der Erklärung “What’s a Twitter timeline“? war folgendes zu lesen:

Note: You may see content from accounts you do not follow, such as promoted Tweets, Retweets from accounts you follow, or content that may be relevant to you. Read more about promoted Tweets here, and Retweets here.

Bisher haben wir auch fremde Tweets gesehen, wenn es sich um Werbeanzeigen oder Retweets handelt(e). Jetzt gibt es die folgende Ergänzung:

Additionally, when we identify a Tweet, an account to follow, or other content that’s popular or relevant, we may add it to your timeline. This means you will sometimes see Tweets from accounts you don’t follow. We select each Tweet using a variety of signals, including how popular it is and how people in your network are interacting with it. Our goal is to make your home timeline even more relevant and interesting.

Screenshot 2014-08-20 11.29.13Wenn Twitter also feststellt, dass ein Tweet derzeit für viel Beachtung sorgt, kann dieser auch in unserer Timeline angezeigt werden. Ich begrüße das. Ich möchte wissen, was um mich herum passiert, was andere Leute gerade beschäftigt und welche Themen gerade aufkommen. Durch eure veränderte Twitter-Nutzung ist das in letzter Zeit zu kurz gekommen.

In letzter Zeit habe ich mich öfters geärgert, dass viele sich zum Sendemedium zurückentwickelt haben. Es wird nur noch verkündet, weniger interagiert. Früher waren mehr Retweets.

Anders gesagt: Wenn ihr nur favorisiert und nicht mehr retweetet, dann nehmt ihr euren Followern die Chance, gute und neue Inhalte zu entdecken. Ihr seid also selbst schuld, wenn Twitter der veränderten Nutzung Rechnung trägt und die Funktionsweise der Timeline anpasst.

Tweetdeck-Nutzer kennen die Aktivitäts-Spalte, in der schon jetzt favorisierte Tweets von Followern auftauchen. Ich habe da schon spannende Dinge entdeck. Warum soll das nicht für alle gut sein?

Das hat natürlich zur Folge, dass das Favorisieren jetzt andere Auswirkungen hat. Einige nutzen es als “Gefällt mir”-Funktion. Für andere ist es ein Lesezeichen. Ganz andere aktivieren damit ihre Kaffeemaschinen. Jetzt müssen wir im Kopf haben: Wenn ich etwas favorisiere, ist dies auch für andere stärker sichtbar.

Während bei Facebook die Umgewichtung des Newsstreams zur Folge hat, dass dann weniger Platz für Inhalte von Freunden ist, ist dies bei Twitter wegen der weiterhin chronologischen Ansicht nicht der Fall.

Die Angst vor fremden Tweets in der eigenen Timeline ist mir unerklärlich. Was ist schlimm daran, wenn es mehr Wissen gibt, als es die eigene Filterblase zulässt? Manchmal macht mir das Kleinbürgertum der Netzgemeinde Angst.