fiene & düsseldorfer terrassengespräche mit sascha lobo

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Was passiert, wenn man durch das Büro von Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart läuft? Man landet auf einer Terrasse. Beim zweiten Anlauf hat es auch geklappt: Die Gespräche haben nicht im Foyer, sondern bei schönstem Sommer-Sonnenuntergang und geliebter Düsseldorf-Skyline stattgefunden. Der Regen hielt sich zurück, ging es diesmal ja auch um Medien und nicht Griechenland.

Rund 90 Minuten haben sich (wir auf meinem Foto angeordnet) Franziska Bluhm (Chefredakteurin von Wirtschaftswoche Online), Sascha Lobo (Sascha Lobo Inc), Georg Altrogge (Moderator des Abends und Chef von Meedia.de), Anita Zielina (Chefredakteurin Neue Produkte der Neuen Zürcher Zeitung) sowie Mathias Müller von Blumencron (Chefredakteur Digitale Produkte der FAZ).  unterhalten. Was mir auffällt: Immer wenn es um die Zukunft gehen soll, wird lieber über die Vergangenheit gesprochen.

Ich nehme für mich einen Impuls vom Lobo mit. Medienmacher sollten sich nicht darauf konzentrieren, was in fünf Jahren angesagt ist und dafür etwas Neues entwickeln, sondern was in einem Jahr angesagt ist. Wenn man es bis dahin nicht schafft, etwas zu entwickeln, dann hat man ein Problem. Mal losgelöst vom Terrassentalk heißt das:

Wir haben hier ein grundsätzliches Problem: Schaut euch mal die Fragen an, die sich Medienmacher stellen. Wenn wir darüber reden, welche Produkte wir entwickeln wollen, sollten wir uns erst einmal genauer anschauen, wie Menschen Medien nutzen und wie die Nachricht  sie erreicht. Da hat es in den letzten 1,5 Jahren große Veränderungen gegeben. Darüber reden Journalisten nicht nur kaum. Sie stellen sogar nicht einmal die passenden Fragen.

Es folgen ein paar Tweets vom Abend.

 

Auf Facebook habe ich ein kleines Live-Video veröffentlicht:

Live aus Düsseldorf! #terrassentalk

Posted by Daniel Fiene on Donnerstag, 13. August 2015

Update: Hier gibt es auch den Bericht bei handelsblatt.de. Und bei der WiWo wurde natürlich auch drüber getextet.

fiene & mein facebook-webinar für radioleute

facebook

Ich gebe ja nicht so viele externe Seminare, aber mein Facebook-Seminar für Radiomacher ist derzeit einer meiner Lieblingsseminare. Die Tage verfliegen und abends gehen wir alle mit einem glühenden Kopf und angeregten Geist nach Hause. Das Themenfeld ist super dynamisch und die Diskussionen sind auch für mich als Dozent wertvoll.

Deswegen freue ich mich auf ein erstes Webinar zum Thema. Michael Mennicken bietet es über seine FM ONLINE FACTORY an. Wenn ihr euch für einen Schnupper-, Crash- oder Auffrischungskurs rund um das Thema Facebook für Radiomacher interessiert, dann empfehle ich euch das Webinar in zwei Wochen.

In der Beschreibung heißt es:

So wird mein Sender bei Facebook zur Marke – 26.8., 19 Uhr

Bei Facebook sind sie alle, aber wie zahlt mein Auftritt auch wirklich auf meine Radio-Marke ein? Wie schaffe ich eine gute Kommunikation mit den Hörern? Wie oft sollte ich posten? Und wie findet mein Post überhaupt Beachtung? All diese Fragen beantwortet Online- und Radio-Experte Daniel Fiene im Webinar 04 am 26.8. um 19 Uhr. Interesse?

Dann könnt ihr euch hier anmelden! Ich freue mich auf euch.

fiene & die neuen krautreporter

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Im Herbst wird wieder um Unterstützung gebeten. Wer einen bezahlbaren Jahresbeitrag leistet, ermöglicht ein junges journalistisches Startup mit dem Vorbild deCorrespondent.nl. Damit meine ich nicht die Krautreporter, die dann um ihre Verlängerung kämpfen. Damit meine ich ein Projekt aus Münster.

Drei junge Wissenschaftler möchten eine Seite starten, in der fortschrittsoptimistisch über Technik- und Wissenschaft berichtet wird. Sie haben bereits eine einjährige Finanzierung vom Wirtschaftsministerium, um das journalistische Projekt an den Start geht. Die Nutzer können mit einer Jahresgebühr von 42 Euro dabei sein. Der Name: positive-daily.de.

Derzeit touren sie mit einem Vortrag durch die Lande: Warum Deutschland einen lösungsorientierten Journalismus benötigt. Hier spielt auch rein, warum Menschen bei all den schlechten Nachrichten irgendwann eine Art Gleichgültigkeit für Medien entwickeln. Ein Nerv der Zeit: Selbst Arianna Huffington predigt derzeit überall ihr Mantra von den guten Nachrichten.

In kleiner Runde habe ich mehr von den Machern erfahren. Während derzeit die Webseite noch nicht sehr konkret wird und die Richtung der Themen noch nicht erkennbar ist, haben mich deren Ausführungen und ein Blick auf den ersten Prototypen der Seite hinschauen lassen. Das wird ein spannendes Projekt.

Aus zwei Gründen haben sie gegenüber den Krautreportern einen Vorteil: Sie haben eine fokussierte Perspektive auf ihr Thema. Die Leser wissen, unter welcher Fragestellung sie Inhalte erwarten können. Die Wissenschaftler mit journalistischer Ausbildung schaffen hier neues und erwecken nicht den Eindruck, sie würden jetzt das, was sie in anderen oder persönlichen Projekten bereits für die Leser kostenlos machen, auf der Crowdfunding-Seite anbieten. Ihr Nachteil: Sie haben keine Sprachrohre oder Lautsprecher in ihrem Gründungsteam. Aber ihre Zielgruppe ist auch eine andere. Außerhalb der Medienbubbel, also die, die von den Krautreportern auch erst zwei Tage vor dem Ende der Finanzierungsrunde erfahren haben.

Wenn die Crowdfunding-Phase von positive-daily.de startet, sage ich unbedingt bescheid.

fiene & 11. august 2015 — google von a bis z

google

Guten Tag.  Was für eine Meldung: Google erfindet sich neu und nennt sich Alphabet. Ich habe euch mal meine Lieblingstexte zu dem Thema als Links des Tages zusammengestellt.

Doch zunächst die Gewinner und Verlier der Reform:

Verlierer ist für mich Unternehmensaußenminister Eric Schmidt. Keine Worte bisher von ihm oder über ihn. Update: Obwohl er Executive Chairman von Alphabet wird. In den ganzen Analysen ist es aber ungewöhnlich ruhig um ihn.

Gewinner ist Philipp Schindler. Der Deutsche fällt mit der Reform noch einmal ein Stückchen weiter nach oben in der Google-Hierarchie. Für ihn ging es ja in Hamburg los, bevor er Europa leitete und dann vor einiger Zeit in die Zentrale wechselte. Künftig wird er sich mit zwei Kollegen die Position “Head of Sales” teilen, schreibt re/code.

***

Eine der besseren Einführungen zum Thema gibt es bei der Wiwo. Lasst euch nicht von dem Unterton der Überschrift abschrecken. Die hat bestimmt der Autor sich nicht ausgedacht.

The Fusion erzählt die ganze Geschichte in Form eines Alphabets — auf die Idee werden bestimmt noch mehr Kollegen kommen, aber diese Variante ist informativ umgesetzt.

Tech-Überkommentator Om Malik spricht von “The Big AlphaBet” – also übersetzt von der großen Alpha-Wette. Neben dem Erhalten von Innovationen und dem Druck der Börse, sieht er auch die EU als Motivator der Gründe. Wenn Google sich selbst zerschlägt, könne dies dem drohende Verfahren in EU den Wind aus den Segeln nehmen.

Was wirklich fasziniert: Diesen Umbruch sah niemand kommen. Es gab gestern nur das Gerücht, dass der Android-Veteran und bei Google sehr geschätzte Sundar Pichai neuer Twitter-CEO werden könnte und Google ihm etwas entgegen setzen müsste. John Gruber zerlegt allerdings nun die Überlegungen einiger, dass aus diesem Grund Google sein ganzes Unternehmen umstrukturiere. Aber immerhin: Google hat Pichai ein echtes Gegenangebot machen können. Er wird nun CEO beim neuen Google.

Lauren Hockenson schreibt sehr schön auf, welche Vorteile die Alphabetisierung von Google hat: Nun kann der Konzern weitere Unternehmen kaufen, ohne in Interessenskonflikte mit der eigenen Suchmaschine zu geraten.

Die erste Reaktion von Kara Swisher ist leider langweilig. Pichai treibe halt künftig das Geld ein, während die anderen Jungs damit spielen können. Sie schließt mit einem Musikvideo der Jackson 5 zum Thema Alphabet. Kann man machen.

Tja. Und dann sei es hier auch noch mal erwähnt. Die URL zur Firmen-Homepage von Alphabet lautet https://abc.xyz/ und Google-Gründer Larry Pager hat ein kleines Osterei im Ankündigungstext versteckt:

Sergey and I are seriously in the business of starting new things. Alphabet will also include our X lab, which incubates new efforts like Wing, our drone delivery effort. We are also stoked about growing our investment arms, Ventures and Capital, as part of this new structure.

Klickt mal auf den Punkt, nach “our drone delivery effort” – ein Link zur weltumfassenden Hoolio-Webseite. Dem fiktiven Unternehmen in der Silicon-Valley-Serie von HBO. Ob die Serie gar Inspiration lieferte?

Die DPA überrascht einen ja selten, aber der letzte Satz der Agentur-Meldung hat mich zum Schmunzeln gebracht: “In Deutschland sitzt Google in Hamburg übrigens schon seit langem in der ABC-Straße.”

 

fiene & deutschland 83

deutschland83

Das ist eine richtig gute Fernsehserie: Deutschland 83! Vor ein paar Tagen lief das Finale der ersten Staffel in den USA. Das gab es noch nie: Eine deutsche Serie wird im US-TV gezeigt, bevor sie in Deutschland zu sehen ist. In Deutsch. Mit englischen Untertiteln. Und: Die Einschaltquoten sind für den Sender SundanceTV überdurchschnittlich, was man so liest. Nach dem Finale fordern die Zuschauer im Netz eine Zugabe.

Ob es mehr als die ersten acht Folgen geben wird, wird sich zeigen, wenn die UFA-Produktion demnächst bei RTL läuft und dort nicht durchfällt. Ich hoffe auf einen Erfolg, denn diese Serie hat mich gepackt. Es geht zurück in eine Zeit, an die ich mich nicht mehr wirklich erinnere. Ich lernte gerade krabbeln, robbte mich durch den Garten des Reihenhauses meiner Eltern, in einem Vorort von Münster.

D83_Jonas_Nay_und_Ludwig_Trepte Jonas Nay (vorne) und Ludwig Trepte (hinten)  (Foto: UFA Fiction)

Die Serie spielt zur selben Zeit. Irgendwo in der Nähe von Berlin wird ein junger DDR-Soldat zum Spion. Er wird bei der Bundeswehr als rechte Hand eines ranghohen Generals platziert. Aus Martin Rauch wird Moritz Stamm, Deckname Kolibri. Über die Folgen entspinnt sich eine komplexe Handlung mit überraschenden Wendungen, in einer dramatischen Zeit. Der DDR-Soldat will nicht in den Westen, aber seine nierenkranke Mutter und schwangere Freundin werden als Druckmittel eingesetzt. Die allgegenwärtige atomare Bedrohung,  die Aufrüstung durch die USA, die Friedensbewegung, die perfiden Methoden der Geheimdienste, der Verfall der West-Familien. Was für eine Zeit. Was für eine Serie.

Sehr gut besetzt dazu: Ulrich Noethen oder Maria Schrader spielen mit. Mich beeindrucken auch die Sets. Die Welt der 80er ist wunderbar zum Leben erweckt worden. DDR-Muff trifft alte Bundesrepublik.

Wenn ihr die Gelegenheit habt, die Serie zu sehen (gibt es zum Beispiel im US-iTunes-Store), solltet ihr sie testen. Ich bin gespannt, welche Dialoge und welchen Austausch die Serie über diese Zeit unter den Zuschauern anstoßen wird. Martin Rauch wird von Jonas Nay gespielt. Er ist Jahrgang 1990. In einem Interview sagt er: ”Ich kann mir Deutschland geteilt nicht einmal vorstellen.”

fiene & 10. august 2015 – die links zum morgen

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Guten Morgen, auf in eine neue Woche.

Liebe Düsseldorfer und Nachbarn. Es gibt Neuigkeiten zum Düsseldorfer Twittwoch: In diesem Jahr gibt es noch zwei Veranstaltungen und wir suchen derzeit euren Input. Wen würdet ihr gerne auf der Bühne erleben?

Tag 13 seit #Landesverrat.  Ich empfehle euch mein Gespräch mit Netzpolitik.org-Gründer Markus Beckedahl: ”Gegen uns wird wie gegen Terroristen ermittelt.

Die Frage des Tages kommt von DJV-Sprecher Hendrik Zörner. Die FAZ hat in den letzten Tagen immer wieder gegen die Feststellung geschrieben, bei Beckedahl und Meister handele es sich nicht um Journalisten. Die FAZ so: “Blogger seien keine Journalisten, so der Tenor mehrerer Beiträge aus den letzten Tagen”. Zörner dazu: “Was also soll der Versuch bezwecken, Blogger in die journalistische Schmuddelecke zu rücken?

Update 10:53 Uhr: Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen gegen die Netzpolitik.org-Autoren jetzt so richtig eingestellt.

Termin des Tages: Am 26. September findet in Berlin der TV-Hackday 2015 statt.

Das Mimimi des Tages dreht sich um Facebook. Nicht cool ist es, wie Facebook mit Hassbotschaften umgeht. Nicht cool ist es aber auch nicht, wenn sich professionelle Seitenbetreiber wundern, wenn ihr Account gesperrt wird und sie daraufhin ihre Unternehmens-Seite bei Facebook nicht mehr nutzen können, weil sie sich unter falschen Namen angemeldet haben. Diese Fälle fallen derzeit stärker auf. Thomas Hutter hat einen lesenswerten Rant gegen alle geschrieben, die sich aufregen. Wo wir schon dabei sein, Facebook bekommt auch sein Fett weg – und zwar in diesem Text rund um die Video-Strategie: Theft, Lies and Facebook-Video.

Welche Lokalmedien sind in Deutschland seit dem Jahr 2000 gegründet worden? Konrad Lischka suchte eine Liste und fand keine, deswegen hat er eine Sammlung gestartet, die schon gut gefüllt ist. Neugierig? Oder habt ihr eine Ergänzung? Ihr könnt am Hackpad vom Lischka mitarbeiten – das ist die Sammlung des Tages.

Das Selfie des Tages ist übrigens gestern bei der Sonntagsschicht in der Redaktion entstanden.

 

Was mich unglaublich beeindruckt hat: Wie viel Arbeit man in die Gestaltung einer App stecken kann. Lest euch einmal den Bericht über Das Referenz durch. In diesem Projekt wurde beispielhaft eine Wikipedia-App für das iPad gestaltet.

Slack war ja im Frühjahr mal cool. Viele nutzen den Kommunikationskanal auch immer noch sehr gerne. Ich habe da bisher keinen Anwendungsfall dafür gefunden. Die New York Times nutzt Slack jetzt als Liveblogging-Tool. Abgefahren.

Der Frühstückstipp des Tages ist für alle Düsseldorfer und Düsseldorf-Reisende. Frau Genussgier hat in ihrem Blog über die Butze in Derendorf gebloggt – was für tolle Frühstücksbilder!

Worauf ich mich freue: In einer Woche startet wieder die Sendung mit dem Internet bei Antenne Düsseldorf. Dann sind die Sommerferien zu Ende.

 

fiene & die wunschliste zum düsseldorfer twittwoch

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twittwochGute Nachrichten für die Twittwoch-Freunde in Düsseldorf. In diesem Jahr wird es noch zwei Veranstaltungen geben. André Paetzel und ich sind in Gesprächen mit vier Location-Gastgebern. Deswegen können wir zwei Abende noch in diesem Jahr durchführen.

Was uns beim Twittwoch Düsseldorf wichtig ist: Wir möchten an den Abenden die Persönlichkeiten hinter den Twitter-Accounts, Instagram-Profilen, Facebook-Pages oder YouTube-Kanälen vorstellen. Mit der Zeit haben wir euch schon viele spannende Personen vorstellen können. André und ich haben auch noch einen langen Ideenzettel – aber wir schätzen, der ist nicht komplett.

Wen möchtet ihr gerne mal beim Twittwoch erleben? Wen sollen wir einladen? Sagt es uns: Einfach in den Kommentaren, oder wenn ihr es uns nicht öffentlich sagen wollt, dann könnt ihr auch einfach das folgende Formular ausfüllen.

Wie immer gilt beim Brainstorming: Es gibt keine blöden Ideen! Wir würden uns freuen, wenn ihr mitmacht. Wir würden uns auch freuen, wenn ihr den Aufruf verbreiten würdet.

fiene & 07.08.2015 — lektüre für das wochenende

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Guten Morgen. Glückwunsch an die Crowdspondent-Journalistinnen Lisa und Steffi. Ihre diesjährige Crowdfunding-Aktion war erfolgreich. Ihr habt sie mit 5.000 Euro unterstützt, sodass sie noch in diesem Jahr zu einer Recherchereise nach Japan reisen werden. Bis morgen können wir noch etwas Geld drauf legen. Ich bin auf ihre Aktion gespannt und freue mich über Eindrücke aus Japan.

Ich möchte euch sehr einen Artikel vom Kollegen Henning Bulka ans Herz legen: Hass im Netz Unternimmt Facebook genug gegen rechten Hass? Hasserfüllte Kommentare, die zu roher Gewalt aufrufen: In der aufgeheizten Flüchtlingsdebatte liest man sie immer wieder online. Viele Bürger setzen sich zwar zur Wehr und melden solche Kommentare, zum Beispiel bei Facebook. Häufig jedoch ohne Erfolg, wie die Erfahrungen eines Journalisten zeigen. – das ist die exemplarische Geschichte von DWDL-Chef Thomas Lückerath.

Igor Schwarzmann habe ich vor elf Jahren im Team von Medienrauschen kennengelernt. Das war ja so das erste größere Medienblog in Deutschland, welches in der Szene richtig bekannt war. Heute ist Igor zusammen mit Johannes Kleske Chef der digitalen Unternehmensberatung The Third Wave Berlin. Ich finde es immer spannend, womit sich andere eigentlich gerade beschäftigen und was sie umtreibt. Zum Wochenende habe ich deswegen Igor drei Fragen gestellt – hier sind seine drei Antworten.

Was war gut in dieser Woche?
“Das der Sommer Berlin wieder einen Besuch abgestattet hat.”

Was hat dich diese Woche beschäftigt?
“Viel. Bei Third Wave begleiten wir einige Kunden parallel daher gibt es keine monotonen Wochen. Besondere Aufmerksamkeit hat jedoch unser Webseiten-Relaunch bekommen. Wir sind bereits länger an dem Thema dran. Jetzt machen wir Fortschritte. Die neue Webseite wird komplett auf Jekyll laufen. Kein CMS, keine Logindaten. Schneller und sicherer auf die Weise. Die Inhalte schreiben wir, wie gewohnt, in unseren Lieblingstexteditor, formatieren diese mit Markdown und über ein git-Repository werden diese dann auf unserer Seite veröffentlicht. Der Umstieg von WordPress zu diesem System ist kein kleiner Schritt für uns. Der Umstieg ist nicht einfach, es war aber eine bewusste Entscheidung für uns diesen Weg zu gehen um mit modernen Webtechnologien selbst zu experimentieren. Walk the talk, etc, etc.”

Welchen Artikel sollten wir am Wochenende lesen?

  1. “What The Ad Blocker Debate Reveals”
    “Das ist etwas für Medianerds. Im Augenmerk ist vor allem Apple. Auf der einen Seite werden sie es möglich machen, dass Ads auf iOS 9 und El Capitan (die neuen Betriebssysteme) in Safari geblockt werden, auf der anderen Seite stellen sie eine neue News App vor. Beide Schritte erhöhen die Abhängigkeit von Publishern, ob groß oder klein, dienen aber vor allem dem Nutzer.”
  2. “The Era of The RFE Publication”
    “Ebenfalls für Medianerds. RFE steht für “Resource-Focused Editorial”. Eine sehr pointierte Kritik von dem heutigen Selbstvderständnis von den meisten Redaktionen jeden Tag eine bestimmte Anzahl an Inhalten veröffentlichen zu müssen anstatt den primären Fokus auf die Qualität zu haben. Bonuspunkte gibt es für die Integration von Tyler The Creator und Earl Sweatshirt.”
  3. “How to See Infrastructure: A Guide for Seven Billion Primates”
    “Longread. Worum es geht steht im Grunde genommen im Titel. Infrastruktur genießt derzeit immer größere Aufmerksamkeit. Das ist primär eine Kombination aus der immer größeren Verfügbarkeit  (aka Zugänglichkeit) von Informationen über Infrastruktur und der Realisation, dass in der westlichen Welt die Automatisierung dieser Infrastruktur bereits massiv voran geschritten ist ohne das die meisten Menschen auf dieser Welt wissen, wie es funktioniert, von wem es gesteuert wird und wie wir die Kontrolle über unsere Infrastruktur zurück bekommen können.”

Folgt Igor auch auf Twitter. Hier sind noch einpaar weitere Links des Tages:

Minions-Tipp des Tages: Falls ihr wie Igor gerade an neuen Webseiten schraubt und mit Lorem-Ipsum-Platzhaltertexten arbeitet, dürfte euch dies gefallen. Wie sieht das Ergebnis aus? Wir haben mal bei RP ONLINE einen Artikel in der Minionsprache ähm abgedruckt.

Frage des Tages: Braucht man in Deutschland für Periscope und Meerkat eine Rundfunklizenz? Dazu eine kleine Beobachtung: Als vor ein paar Tagen ein Artikel zu dieser Frage von Süddeutsche.de durch das Netz gereicht wurde, ist der Artikel mit Sätzen à la “Medienwächter fordern Rundfunklizenz für Live-Stream-Apps” von anderen beworben worden. Immer wenn es irgendwas mit Live-Video oder Live-Audio im Netz gibt, folgt dieser Reflex: Medienwächter fordern Lizenz! Wenn man aber mal genau hinhört, was die Rundfunkanstalten sagen, dann klingt das ganz anders: Sie wollen nicht “mit Kanonen auf Spatzen” schießen – gerade wenn experimentiert wird. Bei professionellen Angeboten würden sie auf Jugendschutz und Einhaltung der Werberegeln halten. Ein Problem: Die Medienanstalten sind dazu verpflichtet, auf Einhaltung der Mediengesetze zu achten. Sie lassen deswegen oft durchblicken, dass sie sich von der Politik wünschen, die Rundfunk-Definition so anzupassen, dass es nicht ständig mit neuen Entwicklungen im Netz kollidiert.

Noch mehr Wochenendlektüre verbirgt sich hinter diesem Link. T3N hat die sieben besten Newsletter für Journalisten zusammengestellt.

Hyperlokalblog des Tages: Frisch vom Newsdesk. Kollegin Inga Methling hat gerade Wir im Gurkenland entdeckt – so heißt eine Nachbarschaft in Düsseldorf. Die Wikipedia klärt auf: Das Gurkenland ist mit einer Schrebergartenkolonie verbunden, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zunehmend zum regulären Siedlungsgebiet in der stark zerstörten Stadt wurde. Das Gurkenland befindet sich rund um die St.-Pius-X-Kirche in Eller. Wieder was gelernt. Neben dem Blog, gibt es auch eine Facebook-Seite.

Nächste Woche müsste ich eigentlich mal meine Top-Liste der neuen Düsseldorfer Burgerbuden veröffentlichen. Ich denke schon ein paar Tage auf den Platzierungen rum. Ich lasse mich von euch bis dahin noch mit Argumenten beeinflussen. Euch ein schönes Wochenende!

fiene & 06.08.2015 — düsseldorf, die fahrradunfreundliche stadt

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Im nächsten Jahr bin ich zehn Jahre als Journalist hier in Düsseldorf unterwegs. Über einen Punkt brauchen wir wirklich nicht diskutieren. Düsseldorf ist einfach keine fahrradfreundliche Stadt. Immer wieder entdecken Initiativen, Politiker, OB oder Stadtverwaltung das Thema für sich – aber deren flotte Sprüche wirken auf die Dekade gesehen lächerlich.

Es wiederholt sich. Mit großem Tamtam wird ein neuer, sicherer Fahrradweg eingeweiht. So wie vor ein paar Jahren vor meiner Haustür an der Hammer Straße. Der ist toll, sicherer. Und was ist? Nach 200 Metern ist Schluß. Der Radfahrer muss auf die Straße, oder auf den Radweg. Die Verkehrsführung in der Stadt zwingt Radfahrer gegen die Verkehrsregeln zu verstoßen.

Ein anderes Beispiel. Eine wichtige Route ist der Weg entlang der Rheinuferpromenade. Wer vom Rheinturm aus in die Altstadt/ Pempelfort/Derendorf fährt, der liebt diese Route. So richtig weiß man zwar nicht, welchen Weg man nutzen soll, weil die Beschilderung unkonsequent ist. Den Plattenweg neben der Straße? Den Schotterweg, den die Boulespieler nutzen? Oder die Spur entlang der Mauer? Je nachdem aus welcher Richtung ich komme, empfehlen mir die Schilder eine andere Route. Damit kann man leben.

Aber nicht mit den ständigen Sperrungen. Es ist schön, dass die Stadt so viele kleine Veranstaltungen rund um de Apollo-Platz und um den Burgplatz oder auf der Rheinuferpromenade zulässt. Aber immer wenn eine Veranstaltung stattfindet, werden Radfahrer ausgeschlossen. Temporäre Fahrverbote. Gefühlt kannst du jede zweite Woche diesen Weg komplett vergessen. Vom Hafen bis in den Norden gibt es keine sichere Alternativroute, die man in einem ähnlichen zeitlichen Rahmen wählen kann. Es kann nicht sein, dass die Radfahrer beim Planen der Veranstaltungen nicht mitgedacht werden.

Auf Höhe des KIT gibt es den Radzähler. Ein Hohn. Gestern Abend stand er auf “9”. Kein Wunder: Mal wieder eine große Sperrung, diesmal wegen des Sportfestes für Ferienkinder. Bitte schafft diese Veranstaltungen nicht ab, aber denkt Radfahrer mit. Das bin ich aus anderen Städten (okay, ich komme halt aus Münster) so gewohnt. Da werden dann Sonderspuren für Radfahrer eingerichtet, die an der Veranstaltung entlang führen – durch Absperrungen läuft da auch kein Fußgänger auf die Spur. Das sind Kleinigkeiten, aber solange Radfahrer nicht mitgedacht werden, kann ich das Bemühen verschiedener Leute nicht ernst nehmen, aus Düsseldorf eine fahrradfreundliche Stadt zu machen. Das ist sie einfach nicht.

Soweit zu meinem Aufreger des Tages.  Kommen wir zu den Links des Tages. Die Überraschung am Morgen hat das Springers Hofmagazin Gründermagazin vermeldet: Adidas kauft Runtastic für 220 Millionen Euro. Springer verdient an dem Verkauf der eigenen Anteile sehr gut. Beim Einstieg des Medienhauses im Herbst 2013 lag der Runtastic-Wert bei einem Zehntel!

Veranstaltungstipp des Tages. Endlich gibt es mal wieder ein Radio Barcamp. Am 09. und 10. Oktober findet in Erfurt das Radio Innovation Camp statt. Dahinter stecken die umtriebigen Macher von CrowdRadio. Auch wenn ein echtes Barcamp nur am zweiten Tag sattfindet, tolle Sache. Ich geb’ dem Ding eine Chance und versuche hinzufahren.

Während John Stewart gerade seine letzte Show hatte, ist eine neue Medienseite ans Netz gegangen. Politico Media will sich um die englischsprachige Medienszene kümmern. Heute ist der Starttag und im Laufe des Tages dürften die ersten Eindrücke sichtbarer werden: Schaut mal im Web und bei Twitter vorbei — das neue Projekt ist mein Medientipp des Tages.

Die Livestream-App des Tages heißt Facebook. Nicht Meerkat oder Periscope. Die gute alte Dame unter den sozialen Netzwerken hat den Wert von Live entdeckt und ermöglicht verifizierten Personen, die eine Seite betreiben, einen Live-Stream auf Facebook zu starten. Das ist also kein Massending, sondern etwas für Promis, Musiker oder eben auch Journalisten. Ich will das mal ausprobieren und habe dazu meine persönliche Facebook-Seite reaktiviert. Wenn ich die schick gemacht habe, versuche ich die verifizieren zu lassen und probiere dann das Live-Feature mal aus. Als ich gerade damit durch war, sah ich, dass genau diesen Plan auch Sascha Pallenberg verfolgt. Gute Sache.

Die Nachrichten-App des Tages kommt vom Wall Street Journal. Wer Mitglied im WSJ-Club ist, bekommt mit “What’s News” eine App, welche die News besonders zusammenstellt.

Mein Hitzetipp des Tages: Es wird ja heute wieder über 30 Grad. Lust auf was zu Lesen? AListApart.com hat eine lange Lese-Liste zusammengestellt, mit Artikeln, die ihr diesen Sommer gelesen haben solltet. In dieser kuratierten Leseliste steckt echt viel Arbeit – Hut ab!

Und noch ein Tipp des Tages in eigener Sache: Ab heute könnt ihr euch für ein Webinar mit mir bei der FM Online Factory anmelden. Am 26.08.2015 gibt es um 19 Uhr für eine Stunde einen Crashkurs in Sachen Radiosender und Facebook. Da gibt es viele Insights und ich versuche alle eure Fragen zu beantworten. Auch praktisch für alle, die schon mal irgendwo mit mir ein Tagesseminar mit mir durchgeführt haben – da können wir noch mal einige Punkte vertiefen. Der Titel: “So wird mein Sender bei Facebook zur Marke” — anmelden könnt ihr euch hier.

fiene & 05.08.2015 – warum apples produktneuheit in diesem jahr ein knaller ist

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Guten Tag. Ich könnte jetzt was zum Abgesang auf Google+ schreiben oder zum leidigen Thema “Journalist als Marke”. Was sagt es uns, dass man selbst das Thema über den schleichenden Tod von Google+ noch so gerade für Fachblogs aber nicht mehr für die Masse auswählt? Was sagt es uns, dass Medienberichterstatter es als Selbstvermarktung wahrnehmen, wenn man sich als Journalist überlegt, wie man die Leser besser erreichen kann? Oder, warum man Journalisten statt Blogger schreiben sollte? Statt über diese Sommerlochthemen zu philosophieren, lasst mich doch lieber über die lang erwartete Produktneuheit aus dem Hause Apple reden, die in diesem Jahr Premiere feierte. Wir haben uns lange gefragt: Wann geht uns dieses Produkt auf den Zeiger? Und ich muss sagen: Es ist total großartig.

Die Apple Watch nutze ich gerne, um “Beats 1″ einzuschalten. Letzteres ist der Knaller. Ich habe den Sender seit Start vor etwas mehr als einem Monat rauf und runter gehört. Ich muss sagen: Dieses Produkt ist so klug gemacht! Oft wird ja die Frage gestellt: Was wird aus Radiosendern, wenn Navigeräte Staus in Echtzeit berücksichtigen, wenn Wetter-Apps dir deine persönliche Wettervorhersage liefern und Spotify dir deine Musik?

Hier sind zehn Dinge, die mich an “Beats 1″ begeistern. 1.) Das Programm überrascht. Jede Show klingt anders. Es gibt keinen festen Stundenaufbau, der sich rund um die Uhr wiederholt. Wichtigster Unterschied zu deutschen Sendern: Das Format prägt nicht den DJ, der DJ prägt das Format. 2.) Julie Adenuga ist der Hammer. Sie hat nicht mal drei Sendungen benötigt, bis ich total hingerissen war. Die tägliche Chart-Show mit Brooke Reese ist sehr ordentlich, die Kombination aus den täglichen Apple-Music-Streaming-Charts und den Blick in die Charts weltweit ist immer sehr erfrischend. Langsam gewöhne ich mich auch an den selbstverliebten Zane Lowe. Er ist ja der Star der Station – wobei ich nicht verstehe, warum alle hyperventilierten, als er BBC Radio One verließ. 3.) Meine These: Ein Sender der Zukunft muss einen Lifestyle besetzen. Sorry, liebe Radiomacher. Apple hat mit “Beats 1″ das Thema Musik perfekt besetzt. In Sachen “Musik, die ganz weit vorne ist”, kann da jetzt keiner mehr mithalten. 4.)  Der Slogan “Worldwide. Always on.” trifft es so gut. Wenn die Moderatoren einem mit “Guten Morgen, guten Tag, guten Abend, gute Nacht” begrüßen “egal in welcher Ecke der Welt ihr gerade seid”, dann schweißt das zusammen. Oft lesen sie ganz kurz Tweets von Hörern vor, die schreiben, was sie in diesem Moment machen. Da findet man sich als Hörer wieder. Ein neues Community-Erlebnis, was Radio in der Vergangenheit groß machte und in Zukunft groß machen wird. 5.) Eigentlich gibt es keinen Radiosender in der Welt, der eine vernünftige Webseite hat. Irgendwas ist immer schräg. Was macht Apple? Die nutzen ein Tumblr. Konsequent! 6.) Die Gastmoderatoren sind klasse. Auf einmal hört man die Rock-Stunde mit Elton John, oder Ellie Goulding spielt eine eigene Playliste und stellt die Musiktitel vor, die sie geprägt haben. Das ist so viel besser als die meistens sehr beliebigen Musiker-schauen-kurz-im-Studio-vorbei-Gespräche 7.) Es wird immer sehr charmant darauf hingewiesen, dass “Beats 1″ über Apple Music ausgestrahlt wird – und das Smartphone wird als Empfangsgerät geschickt eingebunden. Auch wieder ganz klassisch: Nutzer können über das Smartphone über iMessage eine Sprachnachricht mit einem Musikwunsch schicken. Es kann so einfach sein. 8.) Die Vernetzung mit dem Streaming-Dienst “Apple Music”. Die DJs legen unter “Connect” die eigenen Playlisten ab und verweisen auf Highlights, die Stars dort posten. Wenn es neue Musik gibt, in die man intensiver reinlauschen kann, hört man es im Radioprogramm zu erst. Das ist eine kluge Kombination. Überhaupt glaube ich, dass Radiosender in Zukunft besonders dann funktionieren, wenn sie sich inhaltlich mit anderen Medien vernetzen (siehe Monocle 24 von der gleichnamigen Zeitschrift). 9.) Der Einsatz von Twitter ist vorbildlich. Jeder DJ hat da so seine eigene Methode. Wer den Hashtag #Beats1 anschaut, bekommt mit, was die anderen Hörer bewegt. 10.) Die Fehler. Hier und da gibt es Pannen, Versprecher oder falsche Einspielungen. Das macht das Radio so nahbar und sympathisch. Auch ist das Sounddesign für deutsche Ohren ungewöhnlich, weil unbeständig. Jede Sendung klingt ein wenig anders – besonders die speziellen Musiksendungen am Wochenende — wie findet ihr Beats1? Schreibt es gerne in die Kommentare.

Und wie ist es mit dem Streaming-Dienst Apple Music, zu dem “Beats 1″ ja gehört? Da hört man nicht viel gutes. Vor einigen Tagen berichtete re/code von 10 Millionen Nutzern, aber man wüsste nicht, wie der Dienst läuft und dann hat vor zwei Tagen Meedia noch mal nachgelegt (“Apple Music kommt nicht aus der Kritik“), aber hoffnungsvolles kommt von The Verge: Auf “Beats 1″ könnten rasch “Beats 2″, “Beats 3″ usw. folgen. Wenn sie moderiert sind, dann sage ich: Super!

Womit wir irgendwie auch schon bei den Links des Tages wären – und wir bleiben beim Audio: 

Podcast-Tipp des Tages: Ich war kürzlich bei meinem Lieblings-Apple-Podcast Bits und so zu Gast. In dieser Woche könnt ihr das Gespräch mit Timo Hetzel nachhören. Wir philosophieren über Radio und Audio im Netz. Der Sendungstitel: Responsive Radio.

WTF!? des Tages: In der Nähe von Paris wollen sich Open-Source-Entwickler in einem Schloss treffen und im Rahmen eines Hackathons die Welt verbessern. Eine schöne Geschichte bei wired.de.

Die Innovation des Tages gibt es bei The Verge. Wie ein Baseball-Techniker-Team die Zukunft des Fernsehens geschraubt hat.

Und dann geht es heute auf Twitter ja noch wie im Dschungel zu.

Kermit der Frosch und Miss Piggy haben sich getrennt. Bitte nehmt folgendes offizielle Statement zur Kenntnis:

Dann ist Walter Freiwald auf Twitter. Ich entdeckte ihn unter meinen Followern.

Ich habe ihn gefragt, ob er noch einen Linktipp für euch hat. Es gab zumindest einen TV-Tipp:

Das Selfie des Tages. Britta Weddeling ist nach ihrem Sommerurlaub gerade wieder auf dem Weg zurück ins Silicon Valley. Die Handelsblatt-Korrespondentin wird auch wieder regelmäßig in “Was mit Medien” aus dem Valley aktuelle Medienthemen kommentieren. Das haben wir vor ein paar Tagen besprochen und ein paar neue Ideen ausgebrütet, wie ihr an unseren Gesichtern ablesen könnt. Ich freue mich! Am Donnerstag geht es schon weiter.

Den Dämpfer des Tages hat die New York Times abbekommen. Joshua Benton hat sich für das NiemanLab die Herausforderungen für die New York Times analysiert, eine digitale Marke aufzubauen. Sein ernüchterndes Ergebnis: “Es ist so, als ob man seinen Großvater im Nachtclub trifft.

Und was machen wir damit?

fiene & 04.08.2015 – Netzpolitik.org, eine Nebelkerze und ein bisschen Schwanger

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Guten Morgen. Es wird viel geredet, aber kaum gehandelt. Rücktritte gab es noch keine, was ist denn nun Stand am Tag 6 nach #Landesverrat? Immer noch der von Freitagnachmittag (Tag 2). Generalbundesanwalt Range will das Verfahren ruhen lassen, bis ein Gutachten vorliegt. Dennis Horn und ich haben bei DRadioWissen Udo Vetter von lawblog.de gefragt. Hier ein transkribierter Ausschnitt.

Wie schätzt du das Einlenken des Generalbundesanwalt ein?

Vetter: Alle Juristen die ich kenne schütteln den Kopf. Das “Ruhen des Verfahrens” gibt es nicht. Alle wundern sich darüber, dass der Generalbundesanwalt und seine große Behörde nicht wissen, dass es so etwas nicht gibt. Entweder gibt es ein Ermittlungsverfahren, dann ist jemand verdächtig. Oder es gibt kein Ermittlungsverfahren, weil es zum Beispiel eingestellt wurde, dann ist jemand nicht verdächtig. Das ist das selbe wir mit dem “ein bisschen Schwanger”, das gibt es ja bekanntlich auch nicht. Aber vielleicht weiß Herr Range das auch nicht.

Also heißt Ruhen für Generalbundesanwalt Range so etwas wie  ”wir lassen jetzt den Bleistift fallen”?

Vetter: Für ihn heißt Ruhen offensichtlich, dass er die Freundlichkeit besitzt die Macher von Netzpolitik.org nicht gleich zu verhaften, oder bei ihnen eine länger dauernde Hausdurchsuchung durchzuführen, oder ihre Telefone abzuhören. Aber dass er sich das in dieser Situation besser nicht trauen sollte, liegt ja auf der Hand. Das ist eine Nebelkerze, die da gezündet wurde. Das ist eine gravierende Irreführung der Öffentlichkeit, wie ich meine. Entweder gibt es das Ermittlungsverfahren, oder es gibt es nicht.

Akkreditierung des Tages Liebe Journalisten, Lust auf Ausreisen? Ab sofort könnt ihr euch für die SXSW akkreditieren. Der Interactive-Teil findet vom 11. bis zum 19. März statt. Wie immer gilt: Ihr solltet schon eure Links / Kopien der Artikel aus dem Vorjahr eingereicht haben. Pro Medienmarke darf es nur eine Sammelanmeldung geben. Keine Presse? Macht nix – die Tickets gibt es jetzt auch zu kaufen. Wer jetzt kauft, bezahlt für die Interactive “nur” $825.

Anmeldung des Tages: Es gibt ja derzeit wirklich viele Newsletter, aber zu dem hier, solltet ihr euch anmelden: Scott Lamb kümmert sich um die Internationalisierung von Buzzfeed und hat ganz frisch einen Newsletter aus der Taufe gehoben: i18n – bedeutet: Internationalisierung (englisch internationalization oder internationalisation) wird gerne mit dem Numeronym i18n abgekürzt (im englischen Wort befinden sich 18 Buchstaben zwischen i und n). Auf jeden Fall gibt es eine wöchentliche Zusammenfassung von Links, Bilder, HTML über Trends und Ideen weltweiter Medien. Ob der Newsletter gut wird, weiß ich nicht. Ausgabe 1 war ordentlich. Aber wenn er nur halb so unterhaltend ist, wie Scott bei der Buzzfeed-Deutschland-Eröffnung, dann sei der Newsletter hiermit eröffnet.

Willkommen des Tages geht in meine direkte Nachbarschaft: Mit Freude wird hier in der Stadt ja der neue Coworking-Space Startplatz Düsseldorf erwartet — Schwerpunkt sind wie bei der Köln Mutter Startups. Angekündigt war ein Bezug Anfang August, und wie ich Facebook gestern entnehmen konnte, hat das auch geklappt. Hochoffizielle Eröffnung wird im September sein. Wie sagte der Chef letztens? Man braucht Internet und eine Kaffeemaschine, dann kann es losgehen. Wenn mal bei euch die Bohnen leer sind, liebe Nachbarn. Sagt bescheid …

Wir bleiben in meiner Nachbarschaft: Konrad Lischka, Ex-SpOn-Mann und jetzt Mitarbeiter in der Staatskanzlei (wir gehen zur gleichen Eisdiele!) hat sich Gedanken gemacht, wie es mit Twitter weiter gehen kann. Womit wir bei der Identitätskrise des Tages sind. In welchem Spannungsbogen sich Twitter befindet, hat er schön aufgeschrieben. Passend dazu berichtet ganz aktuell Buzzfeed von einem weltweiten A/B-Test, bei dem Twitter eine neue “News”-Ansicht testet. Seit einiger Zeit gibt es ja auch teilweise schon Vorschaubilder zu Artikeln, wie bei *räusper* Facebook. Passend dazu (again) auch ein Artikel, der schon ein paar Tage rumgeht, aber wunderbar auch noch mal den Finger in die Wunde von Google+ legt. Bei Mashable gibt es eine wunderbare Analyse, was hinter dem Scheitern von Google+, ein sehr kostspieliger Versuch gegen Facebook anzutreten, steckt.

Crashkurs des Tages: Nebenan in Köln beginnt übermorgen die Gamescom. Kollege Daniel Hecht hat 20 Survival-Tipps zusammengestellt. Dazu gehören auch rote Armbändchen, Ersatzklamotten und eine Deodusche. Um welche Spiele geht es nochmal?

Das Motto des Tages ist bei Vox Media zu finden, dem Publisher hinter The Verge. Content first is the new Mobile First. Das betrifft allerdings die Entwicklung und Weiterentwicklung von Angeboten – nicht das Verteilen von Inhalten.

Das Foto ist übrigens heute Morgen um 06:20 Uhr im Medienhafen entstanden.

Seifenoper des Tages (Teil 42): Ich habe wieder Post von Seniorbook bekommen. Das soziale Netzwerk möchte mich heute mit dieser Frage mal wieder zum Einloggen bewegen: Lieber Daniel Fiene, wie geht man mit Mobbing und Beleidigungen um?

fiene & 03. august 2015 – die monatschallenge

fienebeiguenther

Guten Tag. Viele würden gerne wie Matt Cutts sein. Matt Cutts hat ganz schön viel Macht. Er ist der Leiter des Anti-Spam-Teams bei Googles Suchmaschine. Er war einer der ersten Angestellten. Wenn er eine Entscheidung trifft, dann hat das Einfluss auf Millionen von Webseiten. Mal werden sie besser gefunden, mal schlechter. Die SEO-Szene schaut sich genau an, was Cutts sagt, was er erklärt und womit er sich beschäftigt. Cutts ist diese Rolle nach all den Jahren nicht zu Kopf gestiegen.

Matt Cutts ist sehr menschlich. Er kann es mit Google-Spammern aufnehmen, aber wenn es um die Marotten des Alltags geht, dann ist Cutts auch wieder gewöhnlicher Mensch machtlos. Aus diesem Grund hat er vor Jahren eine Idee gehabt. Er gibt sich jeden Monat eine Hausaufgabe, die er für 30 Tage durchhalten muss. Sein Motto: Probiere etwas neues für 30 Tage.

Es sind Kleinigkeiten. 15 Minuten am Tag mit seiner Frau spazieren gehen. Zuckerfrei leben. 15 Minuten am Tag etwas rund um das Haus aufräumen. Einen Monat mit dem Rad zur Arbeit fahren. Im März hat er seinen Nachrichtenkonsum in Social-Media heruntergeschraubt.

Bereits 2011 hat er einen TED-Talk zu dem Thema gehalten. Das sind sehr kurzweilige drei Minuten:

Was er über die Jahre immer gelernt hat: Natürlich kann man sich riesige Dinge für sein Leben vornehmen, aber es sind die kleinen Dinge, die in Summe mehr bewegen. Einige Monatschallenges sind ihm zur Gewohnheit geworden. Und: Wer 30 Tage etwas durchhält, hat genug Zeit um eine neue Gewohnheit aufzubauen, oder aber mit Fug und Recht zu behaupten, dass man etwas bestimmtes genau getestet hat und das nie wieder machen möchte.

Ich muss gerade an ein Facebook-Posting von Heiko denken. Ihm haben meine Morgenlinks aus der letzten Woche gefallen. Er schrieb: “Und am Mittwoch gleich wieder, bitte.” Ganz ehrlich? In den letzten Wochen habe ich die immer mal wieder ausprobiert und sie haben mir auch großen Spaß gemacht. Dann habe ich noch meinen WhatsApp-Dienst gestartet, und den Morgenlinks dort eine eigene Kategorie gesponsert. Jetzt haben wir zufällig auch einen neuen Monat. Wisst ihr was? Es liegt doch auf der Hand.

Ich probiere es aus: Für einen Monat möchte ich an jedem Werktag meine Morgenlinks veröffentlichen. Auch wenn sie erst zu einer Stunde erscheinen, an denen der Begriff Tageslinks angebrachter wäre. Da ist wieder das Gefühl, bei dem man ahnt: Hier kann etwas entstehen. Und wenn es total ätzend ist, dann kann ich hinterher sagen: Wenigstens einmal habe ich eine Monatschallenge durchgehalten. Wie Matt Cutts.